Willkommen im Praxenland. Einem Land, wo Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nicht nur die Krankenakte ihrer Patienten kennen, sondern auch ihre Geschichte.
Deutschland ist Praxenland – und muss es bleiben: Darauf macht die laufende Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aufmerksam. Sie erzählt vom Wert der ambulanten Versorgung durch Hausarzt-, Facharzt- und Psychotherapeutenpraxen, wie sie prägend für Deutschland ist.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Nähe und das vertrauensvolle Miteinander zwischen Menschen und „ihrem“ Arzt oder „ihrer“ Ärztin, die für sie da sind, wenn sie krank sind. So wird deutlich, was auf dem Spiel steht, wenn die Politik die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht verbessert: Denn viele Auflagen durch unnötige Bürokratie oder nicht funktionierende digitale Strukturen erschweren ihnen die tägliche Arbeit. Vor diesem Hintergrund haben immer mehr Praxen Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden. Die aktuellen Motive der Kampagne sprechen seit Anfang 2026 daher diese nächste Generation an und zeigt ihnen, welche Vorteile die Niederlassung trotz aller Widrigkeiten mit sich bringt.




Die #Praxenland-Motive
Das Praxenland ist zentral für die medizinische und psychotherapeutische Versorgung der Menschen: Diese kann ohne starke Praxen nicht funktionieren. Die Praxen sind zudem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sie geben hunderttausenden Menschen Arbeit. Sie sind überall, flächendeckend und wohnortnah, ihr Angebot ist niedrigschwellig. Damit tragen sie zum Miteinander und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
Die ersten #Praxenland-Motive waren Anfang 2025, im Vorfeld der Bundestagswahl, zu sehen und appellierten an die Politik, sich zu einer zeitgemäßen, ambulanten Gesundheitsversorgung zu bekennen. In den folgenden Monaten rückte vor allem die Stärke des Praxenlandes als Kernaussage in den Fokus der Kampagne.





„Für Sie nah“: Start der Kampagne
Die #Praxenland-Motive knüpfen an die „Für Sie nah“-Kampagne an, die seit 2024 den Wert der ambulanten Versorgung für Patientinnen, Patienten und die Gesellschaft zeigt. Hier zeigen wir die TV-Spots, die in diesem Rahmen entstanden sind: „Wir sind Ihre Ärztinnen und Ärzte“ und „Wir sind Ihre Patientinnen und Patienten“.
Nähe, Vertrauen … und ganz viel Leben: Dr. Britta Schmidt, Hausärztin aus Berlin, Christoph Rödiger, Internist aus Erfurt, und Male Müller, Internistin aus Rendsburg, sprechen darüber, was das Praxenland ausmacht – und warum Deutschland Praxenland bleiben muss.
Ärztemangel auf dem Land, ambulante Versorgung in Gefahr – und Patientinnen und Patienten, denen die Ansprechpartner fehlen: Hier sprechen die Kampagnengesichter über Herausforderungen. Warum ist das Praxenland, wie wir es kennen, bedroht?
Überbordende Bürokratie, chaotische Digitalisierung und fehlende Wertschätzung: Was den Praxisalltag belastet – und was die Politik tun kann, damit mehr Zeit für Patientinnen und Patienten bleibt.
Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung
Deutschland ist Praxenland – mit einem engmaschigen Netz von Hausarzt-, Facharzt- und psychotherapeutischen Praxen. Fast überall in Deutschland erreichen Menschen die nächstgelegene Hausarztpraxis innerhalb von 15 Minuten. Sie sind es gewohnt, zu „ihrer“ Facharztpraxis zu gehen, eine Hausärztin zu haben, die sie begleitet, einen Ort, wo man sie kennt.
72 Prozent der Patientinnen und Patienten sagen, dass ihre Ärzte für sie Vertrauenspersonen sind. Denn die Ärztinnen und Ärzte sind persönlich für sie da, rund eine Milliarde Mal im Jahr: Sie sind die erste Anlaufstelle rund um die Gesundheit, begleiten Menschen langfristig und erkennen Krankheiten frühzeitig. Auch einen Großteil der ambulanten Notfallversorgung übernehmen die Praxen direkt vor Ort.
Zugleich sind die Praxen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Rund 780.000 Menschen sind hier beschäftigt, mehr als aktuell in der Automobilindustrie. Die Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung beziffert die Bruttowertschöpfung der Arztpraxen 2024 auf rund 52 Milliarden Euro. In den vergangenen zehn Jahren ist dieser Wert um rund 15 Milliarden Euro gestiegen. Damit erwirtschaften die Arztpraxen rund jeden zehnten Euro in der Gesundheitswirtschaft.
Noch ist das Praxenland Deutschland leistungsstark. Doch es ist bedroht. Mehr als 5.000 Hausarztsitze sind schon heute nicht besetzt, besonders in ländlichen Regionen. In vielen weiteren Praxen steht ein Generationswechsel an. Dabei ist die Nachfolgersuche oft schwierig. Denn eine Praxisgründung oder -übernahme schreckt viele junge Medizinerinnen und Mediziner ab. Die Arbeitsbedingungen gelten als wenig attraktiv. Die Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist: 91 Prozent der Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten fühlen sich durch Bürokratie überlastet. Viele denken über einen vorzeitigen Ruhestand nach. Wenn die Praxen nicht entlastet werden, drohen Versorgungslücken – vor allem für chronisch Kranke, ältere Menschen und die Bevölkerung im ländlichen Raum.
Ärztinnen und Ärzte im Gespräch: Was sie sich von der Politik wünschen. Warum Nähe so wichtig ist, um für die Patientinnen und Patienten da zu sein. Und welche Rolle das Team spielt, damit eine Praxis – und damit das Praxenland – wirklich funktioniert.
In den Interviews zu Wort kommen:
Die komplette Interviewreihe mit diesen Ärztinnen und Ärzten finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (kbv4u).
Die Ärztinnen und Ärzte in den Praxen sind mit viel Herzblut für ihre Patientinnen und Patienten da. Doch die politischen Rahmenbedingungen erschweren ihre Arbeit zunehmend. Die Dokuserie #ÄrzteAmLimit begleitet Niedergelassene bei ihrer Arbeit – und sie zeigt, warum es so wichtig ist, das Praxenland zu retten.
Dunkle Wolken über Praxenland gibt es schon länger. Doch die Politik hat die Probleme ignoriert. Deshalb werden die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten jetzt lauter: Deutschland muss Praxenland bleiben!
Sie wünschen sich weniger Bürokratie, eine angemessene Finanzierung und statt immer mehr staatlicher Regulierung die Möglichkeit, ihren Beruf frei auszuüben, zum Wohl der Patientinnen und Patienten.
Sie wollen, dass die ambulante Versorgung mit ihren nahezu 100.000 Praxen in der Fläche gestärkt wird – und damit der medizinische Grundsatz „ambulant vor stationär“. Denn die beste Versorgung ist wohnortnah, patientenorientiert und wirtschaftlich.
Damit das Gesundheitssystem auch in Zukunft finanziell auf stabilen Füßen steht, kommt es auf eine angemessene Finanzierungsgrundlage und auf den richtigen Einsatz der Mittel an. Gelder ließen sich etwa dann einsparen, wenn es mehr ambulante Operationen gäbe, der stationäre Bereich würde entlastet. Jedes Jahr könnten zusätzlich mehr als vier Millionen Operationen ambulant erfolgen.
Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wollen mehr Zeit fürs Wesentliche, nämlich ihre Patientinnen und Patienten. Zum Beispiel durch weniger unsinnige Prüfungen, die nicht der guten Versorgung dienen, Digitalisierung, die sich am wirklichen Nutzen orientiert, und ein Bürokratieentlastungsgesetz. So bleibt mehr Freiraum für innovative Versorgung.
Eine qualitativ hochwertige ambulante Versorgung erfordert auch eine Reform der Finanzierung. Denn die Budgetierung der ärztlichen und psychotherapeutischen Vergütung führt dazu, dass nicht alle Behandlungen und Untersuchungen bezahlt werden. Deshalb fordern die Ärztinnen und Ärzte, dass jede zweckmäßige, wirtschaftliche und notwendige medizinische Leistung vollständig vergütet wird.
Mehr zu den Forderungen im Vorfeld der Bundestagswahl im Positionspapier der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter der Überschrift „Unsere Gesundheit erlaubt keinen Stillstand“
Rund ein Drittel der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist 60 Jahre oder älter. In der hausärztlichen Versorgung ist der Anteil derjenigen, die in absehbarer Zeit in Ruhestand gehen, sogar noch höher, in vielen Regionen im Westen Deutschlands liegt er bei mehr als 40 Prozent. Was wird aus der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung, wenn diese Praxen keine Nachfolgerinnen und Nachfolger finden?
Auf der Deutschlandkarte ist der Anteil der Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten in der Altersgruppe 60 plus farblich hervorgehoben.
In der eigenen Praxis können Ärztinnen und Ärzte ihren Alltag selbst gestalten. Sie tragen Verantwortung für ihre Patientinnen und Patienten, aber auch als Unternehmer und Arbeitgeber. Ob Teamkonstellation, Praxisräume, Abläufe oder Sprechzeiten – über viele Dinge entscheiden sie frei.
Eine aktuelle Studie von 2025 zeigt, dass die große Mehrheit der Praxisärztinnen und -ärzte vor allem die Unabhängigkeit und die Therapiefreiheit schätzt. So sind 77 Prozent der neu niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten nach einem Jahr zufrieden mit ihrem Schritt in die Selbstständigkeit und würden sich wieder für eine eigene Praxis entscheiden. Ein weiterer häufig genannter Vorteil: Die Arbeitszeiten sind planbar und meist flexibel zu gestalten, was die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtert. Auch die Wertschätzung durch die Patientinnen und Patienten sowie die Qualität der medizinischen Versorgung werden hervorgehoben.
Dabei sind die Möglichkeiten in der Niederlassung breit gefächert, von der Einzelpraxis über die Gemeinschaftspraxis bis zum Job-Sharing sind viele Arbeitsmodelle möglich. Wer selbst eine Praxis übernimmt oder gründet, kann dadurch seine individuellen Vorstellungen verwirklichen.
Im Rahmen der Kampagne haben wir mit fünf niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen bzw. -ärzten gesprochen. Warum stehen sie hinter dem Aufruf „Lass dich nieder in Praxenland“? Was ist das Schönste an ihrem Alltag in der Praxis?